Die Türen der werden aufgestoßen. Jemand ruft Richtungsanweisungen, jemand anders antwortet aus der Ferne, ein Kind schreit. Schorsch dreht seinen Kopf auf der Trage nach oben und sieht die Decke des Eingangabereichs hinter dem Türbogen erscheinen. Schnell zieht sie vorbei und sein Blick nimmt samt seinem Körper und der Trage, auf der er liegt, eine Kurve durch den nächsten Türbogen. Ihm wird schlecht. Er hat am Sonntag Lagerfeuerdienst auf der Recyvlinghof-Basis. Er muss Holz auftreiben. An der vorüberziehenden Wand erkennt Schorsch die altbekannten Portraits, die in jedem Haushalt hingen. Abril, Weibel, Hocke. Schorsch murmelt einen wütenden Fluch auf sie in seinen Bart, doch etwas Feuchtes kommt aus seinem Mund. Er hustete spotzend. Der Mann, der rechts an der Trage läuft, schaut zu ihm hinunter. “Er is wach!”, ruft er den anderen zu und schaut wieder zu Schorsch. “Hömma Schorschinger halt durch. Wir sind gleich da. Wattn Abriss hömma. Watt bisse da rausgelaufen… kerlokiste ich dacht sowatt muss ich nich mehr sehen. Eine Tür noch, gleich simma da. Nippel mir getz nich weg.” Schorschis Kopf dröhnt. Was für eine Tür? Eine schließt die Augen und stöhnt. Sein Kopf kugelt auf der Trage hin und her. Schorsch spürt eine weitere Kurve, dann kommen die Männer zum Stehen. Zwei von ihnen beugen sich über seinen Bauch. Schorsch versucht, zu ihnen zu sehen, aber Kalle drückt seinen Kopf auf die Trage. “Hömma bleib wode bis. Is besser.” Schorsch blickt zu Kalle. Warum schaut er, als hätte er Schmerzen? An der Wand erkennt Schorsch Bilder. Gezeichnete Bilder, von Kindern, aus der Grundschule. Er erkennt Nennas Bild und damit auch den Raum, in dem er sich befindet. Er hat das Bild vor zwei Wochen beim Elternabend an der Wand des Klassenzimmers gesehen. Es ist eine Collage von Hausen mit Fotos vor und nach der Machtübernahme. Niko war kurz darauf entlassen worden. Nenna bekam einen amtlichen Verweis und Schorsch eine offizielle Rüge. Schorsch will sitzen, doch nur beim Versuch, seine Beine anzuspannen, sticht ihn ein unerträglicher Schmerz wieder hinunter. Schorsch ächzt. Einer der Männer hält inne und Schorsch hört Karl sagen: “Mensch halt still Schoscho. Das muss sauber werden.” Schorsch wird schwarz vor Augen. Er hört metallene Geräusche und Siggis Stimme. “CYKA BLYAT!”, ruft er. Schorsch blinzelt und erkennt verschwommen Siggis Gestalt. Hat Siggi Blutspritzer auf dem Gesicht? Es scheint allen schlecht zu gehen. Schorsch wird heiß. Er hat einen bleiernen Geschmack ihm Mund. “Asser”, stöhnt er. “Wasser!”, ruft Kalle, die Hand weiter auf seiner Stirn. Stacy erscheint in seinem Blickfeld. Oder ist es Henni? Schorsch will ihr sagen, dass er sie schon länger nicht gesehen hat. “Schorschi Klappe halten und Mund auf”, sagt sie und steckt ihm einen Trinkschlauch in den Mund. “Kleine Schlucke. Das wird.” Sie und Kalle blicken sich an und Schorsch fragt sich, wo der Schmerz in ihren Blicken herkommt. Ist jemand gestorben? Er starrt auf Nennas Collage. Sie ist zu Hause den ganzen Tag damit beschäftigt gewesen. Tyler hat Kurt einen Kalender mit alten Fotos aus dem Shop des Heimatmuseums dafür abgeschwatzt. Schorsch schließt die Augen. Ihm wird kalt. Eiskalt. Er muss Holz holen. Damit es Feuer gibt! Er setzt sich ruckartig auf und wird vom selben stechenden Schmerz durchzuckt wie beim letzten Mal, nur dass er diesmal ohnmächtig wird.